Themen

Über mehrere Semester hinweg verfolgt die Gruppe ein übergeordnetes Thema, debattiert dieses aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven und versucht, diese in eine transdisziplinäre Analyse – oder zumindest in eine multidisziplinäre Betrachtung – zu überführen. Die übergeordneten Themen sind so allgemein angelegt, dass sie für die verschiedenen Forschungsinteressen und -schwerpunkte der Mitglieder und ihrer Qualifikationsarbeiten anschlussfähig sind. Innerhalb der gewählten Themen werden in unterschiedlichen Konstellationen und Kleingruppen Teilprojekte zu spezifischen Fragestellungen realisiert – je nach spezifischem Interesse und zeitlichen Ressourcen.

Religion, Politik und mediale Öffentlichkeit

Mediale Öffentlichkeiten fungieren als wichtige Schaltstellen in den Konstellationsdynamiken zwischen Religion und Politik. Diese Stellung nehmen sie deshalb ein, weil die Funktion von Öffentlichkeit in der Vermittlung  gesellschaftlicher Selbstverständigung – und somit auch über gesellschaftliche Aushandlungsprozesse von Religion und Politik – besteht. Darüber hinaus können sie aber auch deshalb als «Schaltstelle» bezeichnet werden, da sich unter den Bedingungen der medialen Organisation von Öffentlichkeiten insbesondere auch Fragen nach deren Zugangsmöglichkeiten und Regulierungsmechanismen stellen. Diese Fragen erscheinen sodann auch für die Analyse und das Verständnis der Dynamiken zwischen Religion und Politik bedeutsam. Die Peer Group for Religion and Politics interessiert sich dementsprechend nicht nur für die inhaltliche Dimension von Mediendiskursen über Religion und Politik, sondern auch für die politökonomischen Logiken, in welche mediale Öffentlichkeiten eingebunden sind, welche religiösen und säkularen Akteure Zugang zu ihnen haben und welche Ressourcen der Öffentlichkeitsarbeit dabei zur Verfügung stehen. Des Weiteren sind die Rolle von Medienschaffenden und «Experten» ebenso von Interesse wie die Frage nach den Transformationsprozessen medialer Öffentlichkeiten aufgrund von Social Media und Digitalisierung sowie deren Einfluss auf das Themenfeld von Religion und Politik.

(Thematischer Rahmen viertes Quartal 2018 bis erstes Quartal 2021)

Prozesse religiöser Anerkennung

Prozesse religiöser Anerkennung sind ein zentrales Merkmal in der politischen Gestaltung religiöser Pluralität. Dieser Feststellung liegt die Beobachtung zugrunde, dass, historisch betrachtet, religiöse Pluralität eher einen gesellschaftlichen Normal- als einen Sonderfall darstellt. Unter dieser Voraussetzung stellt sich die Frage, ob und wie diese Pluralität gesellschaftlich wahrgenommen, politisch bewertet und gegebenenfalls reguliert wird. Prozesse religiöser Anerkennung spielen dabei eine zentrale Rolle, denn von ihnen hängt nicht nur ab, welche Ausprägungen von Religion beispielsweise gesellschaftlich, politisch oder rechtlich als legitim anerkannt werden, sondern auch welche Privilegien und Anforderungen damit einhergehen können. Im ersten Jahr ihres Bestehens hat sich die GRC Peer Group for Religion and Politics die Auseinandersetzung mit diesem Rahmenthema zum Ziel gesetzt. Von Interesse waren dabei Fragen nach den Organisationsformen von Anerkennungsregimes, deren impliziten oder expliziten Bewertungskriterien von Religion sowie den verschiedenen Aushandlungsprozessen, innerhalb derer sowohl Fragen der Anerkennungspraxis selbst als auch Fragen der Legitimität bestimmter Religionen und deren Praktiken verhandelt werden. Konkret bearbeitete die Peer Group das Thema religiöser Anerkennung am Beispiel der sogenannten «Handschlagaffäre von Therwil» und widmete sich dabei den verschiedenen Aushandlungsdimensionen religiöser Anerkennungsdiskurse in Schule, Recht, Medien und Politik.

(Thematischer Rahmen erstes Quartal 2017 bis drittes Quartal 2018.)